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Biberröhren im Oderdeich
Von Ulf Grieger
Neu Manschnow (MOZ) Hochwasser- oder Naturschutz - Was ist wichtiger? Diese
Frage stellte MOZ-Leser Günther Krautz aus Küstrin-Kietz, als er den
Biberbau an der einstigen Dammbruchstelle bei Neu Manschnow besichtigte. Der
Schaden am Oderdeich wurde bislang notdürftig abgedeckt. Mit zurückgehendem
Hochwasser wird das ganze Ausmaß der Biberbauten im Damm erst sichtbar.
Antje Reetz, Fachfrau für Biberschäden im Oderbruch, hat in den vergangenen
Tagen die Biberbauten im Oderdamm gezählt. Eine Liste mit den Schadstellen
geht jetzt dem Landesumweltamt zu. Es wird eine deutlich höhere Zahl sein,
als die, von der Amtspräsident Matthias Freude bislang ausgegangen ist. "Wir
haben es derzeit mit zwölf Biberbauten im gesamten brandenburgischen
Oderdeichabschnitt zu tun", hatte er noch am Dienstag erklärt. Alle Schäden
würden in den kommenden Wochen verbaut. Entscheidende Voraussetzung sei,
dass der Oderpegel sinkt. Denn die Biber graben ihre Röhren stets so, dass
der Bauteneingang unter Wasser ist und sie hineinschwimmen können. Da die
Pegelstände jetzt sinken, in Kienitz lag der Pegel gestern bereits 30
Zentimeter unterhalb der Hochwasseralarmstufe 1, verlassen die Tiere diese
Röhren und bauen tiefer.
Matthias Freude hofft, dass solchen Schäden mit dem Einbau von verzinktem
Maschendraht künftig vorgebeugt werden kann. Der Umweltamtspräsident hält
nichts davon, Biber von sensiblen Bereichen wie Hochwasserschutzanlagen
wegzufangen. Er setzt viel mehr auf die Selbstheilungskräfte der Natur, in
diesem Falle auf das Revierverhalten der Biber. "Wir haben an der Oder, wo
der Biber noch nicht lange wieder heimisch ist, die Situation, dass die
Jungtiere sich neue Reviere erobern müssen, die alten aber ihre Reiche noch
nicht gefestigt haben. Wenn sie im Deichvorland feste Reviere etabliert
haben, dann werden die alteingesessenen Biber die Neuzugezogenen wegbeißen.
Das ist wirksamer, als wenn der Mensch eingreift", sagt Freude. Er will in
den kommenden Woche Beratungen mit den Fachleuten vom Deichverband GEDO und
anderen Spezialisten weitere Schritte beraten. Denn auch für die Vorfluter
und Meliorationsgräben müssen Lösungen gefunden werden. MOZ-Leser Bernd
Tauchmann aus Neulangsow hatte gestern darauf hingewiesen, dass Biberbauten
besonders in diesen Zeiten des Binnenhochwassers zusätzliche Abflussprobleme
bereiten.
Antje Reetz, die Bibermanagerin im Oderbruch, hatte kürzlich Gelegenheit,
mit Kollegen aus anderen Bundesländern in Erfahrungsaustausch zu treten. In
Bayern entscheide zum Beispiel die Untere Naturschutzbehörde darüber, was
mit Bibern passiert, die in Problembereichen wie Hochwasserschutzanlagen,
Klärwerken und Teichwirtschaften Schäden anrichten. Die Tiere werden dort
weggefangen und getötet. Anders in Sachsen-Anhalt. Dort ist die Heimat des
Elbbibers, der von Naturfreunden auch an der Oder angesiedelt worden war.
Dort will man der Schäden in Hochwasserschutzanlagen durch Verbau Herr
werden. "An der Elbe haben sich die Biber bereits an das Hochwasser
angepasst und Ausweichbauten angelegt, so dass sie nicht mehr in die Dämme
graben", hat Antje Reetz erfahren.
Freitag, 19. März 2010 (07:46)

Gefährliche Gänge in den Damm: Bei Neu Manschnow, wo im Winter 1947 der Damm
gebrochen war, hat der Biber sich in den Damm gegraben. Nach einem Notverbau
mit Planen und Sandsäcken, grub er gleich daneben eine neue Röhre. Foto:
MOZ/Grieger